Start/Brief
Persönlich · Birkach, 8. Juni 2026

Brief an mein
späteres Ich.

Liebe Merle in 20 Jahren,

ich schreibe dir aus Birkach, an einem Dienstag im Juni. Es ist 18:42 Uhr, wir kommen vom Hof, ich habe Heu in der Jacke und Sand im Schuh. Mama sagt, ich soll das hier schreiben, damit ich es später nochmal lesen kann.

Ich glaube, ich will dir sagen, dass die Schule heute schwierig war. Mathe war doof. Frau M. hat geschrien. Und um 14:30 wollte ich am liebsten gar nicht mehr.

Aber dann war ich beim Pferd, und alles war wieder okay. Und das ist das Geheimnis, glaube ich: dass es immer irgendwo einen Pferd-Ort gibt, auch wenn der Tag anstrengend war. Vielleicht ist deins kein Pferd. Vielleicht ist es ein Garten oder ein Buch oder ein Mensch. Ich hoffe, du hast sowas gefunden.

Ich will dir noch was sagen: ich war heute Morgen nicht faul. Ich war müde, ja, aber ich bin trotzdem gegangen. Falls du dich noch erinnerst — bitte sei nicht zu streng mit der 11-jährigen Merle. Sie hat es versucht.

Sei nicht so erwachsen, dass du vergessen hast, wie sich kalte Hände im Pferdefell anfühlen.

— Merle, 11 Jahre

P.S. Sag der späteren Mama, dass das mit dem Frühstück eigentlich ganz nett war heute. Und dass ich Mathe morgen vielleicht nochmal angucke.

Anmerkung der Redaktion

Dieser Brief ist eine literarische Komposition, geschrieben aus der gemeinsamen Beobachtung mit Merle. Sie hat zugestimmt, dass er hier steht. In ihren echten Worten würde sicher mehr „voll cringe" und „eklig" vorkommen. Aber wir haben uns für das Lyrische entschieden.